Liebe Lotte,


ich habe jetzt ein wenig nachgedacht und werde versuchen, Dir ein paar (vorerst wenige) Ziele für Dich zu nennen. Zu viele Ziele machen keinen Sinn; wenn Du Dir die Latte zu hoch hängst, kannst Du bequem darunter durch marschieren. biggrin

Also, Wünsche sollten an das Christkind gehen (oder an den Weihnachtsmann, je nach Brauch) biggrin und Absichtserklärungen sind etwa so viel wert, wie jene der Politiker. Ziele müssen realistisch sein, dürfen nicht überfordern, aber müssen ein wenig fordern.
Wenn mal erste Ziele formuliert sind und an ihnen ernsthaft gearbeitet wird,  ist es leichter, sich weitere Ziele zu stecken (die „großen“ Ziele würde ich bis auf weiteres in der Schublade lassen).
Nach dem, was Du geschrieben hast, schlage ich Dir vorerst drei Ziele vor (und Übungen an einem vierten).

Nachdem Du anschaulich Deine Bequemlichkeit beklagtest und in der Kombination Bequemlichkeit, gepaart mit Ungeduld, überhaupt kein Ziel zu erreichen ist, sehe ich dort den ersten Ansatzpunkt.

 

Nimm Dir täglich eine halbe Stunde für Ordnung.
Nicht Geschirr auf- oder Kleidung wegräumen, das tust Du vermutlich ohnehin.
Nein, dort hinlangen, wovor Du Dich am liebsten drückst. Formuliere es Dir so, wie es am besten Deiner Realität entspricht.


Dafür darfst – nein, musst – Du Dir jeden Tag zwei Freudepunkte gönnen. smile
Egal ob Du Gespräche mit Deinem Froschkönig führst, mächtige Bäume umarmst oder den Wicken Lebensraum verschaffst. Versuche Abwechslung herein zu bekommen und genieße dabei jeden Augenblick bewusst!


Du bist in einer gewissen Weise unterfordert; deshalb brauchst Du ein Projekt, das Dich fordert, dem Du aber auch gewachsen bist. Soweit ich weiß, hast Du etwas mit Fotografieren gelernt und Du hast Spaß daran.
Stelle Dir die Aufgabe, dass Du für ein mögliches Heimatbuch Deines Ortes die passenden und besten Bilder liefern sollst.
Alles ist erlaubt, vom Frosch im Teich bis zu Deinem Lieblingsbaum im Wandel der Jahreszeiten bis hin zu  Veranstaltungen in der Stadt. Projekte müssen Stück für Stück wachsen, vielleicht wird daraus wirklich ein Heimat-Bilder-Buch, für das in jeder Stadt Bedarf besteht.

Und jetzt noch die oben angekündigten Übungen:

Wenn Du wieder in eine hochemotionale Situation gelangst, dann übe umgehend das Abschirmen. Jalousie herunter und Freude-Bilder drauf projizieren. Erst wenn Du merkst, dass Du es nicht schaffst, dann darfst Du flüchten. smile

 

Liebe Grüße, Michael emoticones

Als ich Michaels vorgeschlagene Ziele für mich las, war ich überrascht – freudig überrascht! Das war ja überhaupt nicht wie befürchtet; hatte nichts von Quälerei an sich! Mir Freude – Punkte zu gönnen war etwas Schönes und die Idee mit dem Heimat-Bilderbuch machte mich sprachlos. Auf so etwas Spielerisches wäre ich niemals gekommen. Ja, daran zu arbeiten konnte ich mir sehr gut vorstellen; sogar völlig ohne Schweißausbrüche! Was für ein schönes Projekt, dachte ich beim ersten Lesen und war erst einmal nahezu euphorisch erleichtert.

Lieber Michael, 


ich staune wie Du es schaffst so klar zu analysieren, wie Du Wege findest - und nun formulierst Du auch noch solche Ziele für mich. Darauf wäre ich nie gekommen, da bin ich mir sicher.


Ich bin sehr erleichtert über deine Ziel-Vorschläge. Ich hatte eher an Ziele gedacht, die für mich schwierig und "schlimm" umzusetzen sind. Deine Vorschläge sind nicht nur machbar und machen mir keine "Angst", ich freu mich sogar ein wenig darauf sie anzugehen. Die Freude-Punkte täglich sind schön, die halbe Stunde Ordnungsarbeit ist weit weniger als ich mir immer für mich vornehme (und nie umsetze scham) und Deine Idee mit den Bildern ist wirklich gut! So ein Projekt habe ich noch nie gemacht, aber ich denke ich muss nicht von Anfang an alles gleich perfekt geplant haben. Vielleicht wächst es wirklich, und ich fange einfach mal mit den Bildern an. Die Übung mit der Abschirmung habe ich schon begonnen; nun werde ich noch konsequenter dabei sein. Du hast die Ziele gut gewählt, finde ich.

 
Danke! emoticones  Weißt Du eigentlich, wie außergewöhnlich und besonders Du bist?


Einen ganz lieben Gruß von Lotte

Es kam wie es - bei meiner damaligen Verfassung - kommen musste; schon in der darauffolgenden Nacht brachen erste Zweifel über mich herein. Ein Heimat-Buch … wie soll ich das denn hinbekommen? Ich? Wie beginnt man so etwas überhaupt – was braucht es dazu? Ich habe doch keine Ahnung davon und so etwas noch nie gemacht ….

Irgendwann verstummten alle Fragen und Gedanken und übrig blieb einzig das Gefühl des „das-kann-ich-niemals“. Ein Gefühl, das mir sehr vertraut war und mich komplett ausfüllte. 

 

Als der Morgen anbrach schrieb ich Michael meine Fragen, Gedanken und Ängste. Dabei meldete ich auch Zweifel an der prinzipiellen Nützlichkeit dieses Projektes an. Fotos für ein Heimatbuch, das niemals wirklich gut werden könnte und darum auch keinen interessierte?

Im Grunde aber war es ganz simpel: Ich hatte schlicht Bammel vor der Aufgabe und ließ mich von diesem „ich-kann-das-nicht“ Gefühl entmutigen.

 

Michaels nahm mir mit ein paar Worten sämtlichen Wind aus den Segeln und brachte mich wieder einmal zum Lachen – seine Leichtigkeit war einfach ansteckend.

Liebe Lotte,

ich war draußen im Schnee. An einem so schönen Sonntag wollte ich nicht zu Hause hocken. Lange Zeit war das Wetter so unfreundlich, dass ich dringend das Bedürfnis nach Luft und Sonne hatte.

Du schreibst:

               

Ich finde dieses "Projekt" wirklich gut …  Aber es ist doch eigentlich nicht wirklich nützlich. Ich mache das dann ja nur so aus Spaß, für mich, einfach nur so. Ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll, aber irgendwie ist es seltsam so etwas zu tun, ohne einen bestimmten Zweck damit zu erfüllen.

 

Ich will jetzt nicht philosophieren, aber welche Kriterien gelten für Dich für als „nützlich“? Oder um einen bestimmten Zweck zu erfüllen?

Ist es nützlich Bäume zu umarmen?  biggrin

Welchem Zweck dient es dem Vogelgezwitscher zu lauschen? biggrin
Wenn es Deinem Spaß dient, finde ich es ziemlich nützlich; vielleicht wächst Freude und Selbstgefühl daraus. Außerdem bin ich überzeugt, dass es Dir gut tut an einem Projekt zu arbeiten, das nicht nach einer halben Stunde erledigt ist smile; an dem Du dran bleiben musst. Mancher Zweck enthüllt sich nicht gleich; vielleicht lässt sich mit den Bildern etwas anfangen, wenn sie gut werden.

Im übrigen, liebe Lotte, weiß ich schon, dass ich nicht alltäglich bin. Ich kenne aber so viele Fehler an mir, dass ich gut geerdet bleibe.
Ich hatte früh die Absicht das Leben zu ergründen. Da fängt man am besten bei sich selbst an. Die erste Regel hieß, kein Selbstbetrug, keine Lüge vor mir selbst. So lernt man sich ganz gut kennen. biggrin
Leider hatte ich keinen Lehrer wie Morrie, ich habe lange nach einem Mentor gesucht und keinen gefunden. Ich habe intensiv gelebt, viel gedacht, gelesen und wiederum gedacht –und mich mit klugen animas ausgetauscht.  smile Und damit werde ich auch in Zukunft nicht aufhören.

Einen „Zweck“ gibt es übrigens auch bei unserem Gespräch nicht. Es fühlt sich richtig an und deshalb ist es auch richtig!

Liebe Grüße, Michael emoticones 

Lieber Michael,

Bäume umarmen und Vogelgezwitscher zu lauschen dauert nicht wirklich lange, deswegen darf das auch unnütz sein. biggrin
Nein, du hast natürlich recht. Ich bin es nur nicht gewohnt so etwas zu machen, einfach nur aus Spaß. Gut, ich bin es auch nicht gewohnt ein solches Projekt überhaupt zu machen. biggrin 
Aber ich werde es beginnen und versuchen, es richtig gut zu tun!  Wenn es funktionieren sollte bekommst Du auf alle Fälle das erste Exemplar dieses Heimat-Foto-Buches (wenn Du magst) smile.

Die erste Regel hieß, kein Selbstbetrug, keine Lüge vor mir selbst. So lernt man sich ganz gut kennen.

 

Aber nur, wenn man den Selbstbetrug auch bemerkt. Ich weiß nicht wie oft ich mich schon selbst belogen habe, ohne mir darüber klar zu sein.

Ich kann sehr gut verstehen, dass du früher nach einem Mentor gesucht hast. Lehrer wie Morrie findet man kaum. Du hast es dann aber auch allein geschafft. Ich wünschte mir schon oft jemanden, der mir dabei hilft das/mein Leben zu verstehen und es "richtig" zu leben. Und nun bist Du da. smile
Manchmal ist wünschen vielleicht doch ganz gut, nicht nur in Märchen. biggrin

 

Einen ganz lieben Gruß emoticones
Lotte

 

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