Links Skylla, das menschenfressende Ungeheuer  … rechts Charybdis, die wasserstrudelnde Göttin, in deren Strudel jedes Schiff zerschellt.

Lieber Michael, als ein bisschen "übel" empfinde ich das aber schon. augenroll

 

Heute Nacht dachte ich über Deine Worte nach.

 

                Schafft es das Männchen nicht, sein individuelles "Begehren" als "Lieben" glaubhaft zu machen …

 

Ja, das stimmt schon – es ist durchaus ein „individuelles Begehren“. Männer suchen sich die Partnerin ja auch nach ganz eigenen Kriterien aus. Dennoch vermitteln sie einer Frau nicht immer auch das Gefühl, SIE sei wirklich gemeint. 

Will ich das Gefühl haben, seine Prinzessin oder gar Königin zu sein? Vermutlich ist es so.

Vielleicht ist der Grund aber auch, dass Frau zwar sein „Begehren“ fühlt – es aber für sie nicht „Liebe“ ist, wie sie sie versteht!

 

Männer lieben anders als Frauen – wirklich auf eine ganz andere Art. Die ist nicht schlechter oder besser – sondern einfach anders. Das ist etwas, das auch Frau erst mal verstehen muss. Langsam beginne ich das zu begreifen – und auch, was diese Tatsache in all ihren vielen kleinen und großen realen Auswirkungen wirklich bedeutet.

 

Eine Frau, ich als Frau, wünsche mir eine Beziehung mit allem drin – mit all dem, was ich ja meinem Mann vor einer Weile in Schriftform „vorgelegt“ hatte. Er wusste im Grunde gar nicht so recht, was ich damit meinte. 
Und es ist da auch der Wunsch nach einer anderen Sexualität – die ich aber real nicht kenne. Das was ich kenne scheint aber das zu sein, was ein Männchen will und mag.
Das passt nicht zusammen.

 

am besten, Du lässt Dich mal ein wenig auf den kurzen Text ein, den ich Dir geschickt habe und schreibst mir Deine Fragen, die dazu auftauchen. 

 

Wenn ich "nur" frage, wird dabei vermutlich vieles ungesagt bleiben. Denn ich komme an dieses Thema gar nicht so richtig ran, auch nicht mit Nachdenken. Es ist nicht so, dass ich "moralischen Hemmungen" habe biggrin, daran liegt es nicht. Ich weiß einfach viel zu wenig darüber. smile  Und zu etwas, von dem ich nicht viel weiß, kann ich keine konkreten und „guten“ Fragen stellen!

Darum würde ich mir wünschen, Du würdest mehr darüber schreiben, von Dir aus, als ich Fragen habe.

 

Ganz viele liebe Grüße emoticones
Lotte

Liebe Lotte,

zu Skylla und Charybdis gibt es 168.000 Seiten bei google nachzulesen. In der Homer`schen Fassung der Odyssee geht`s natürlich um über-menschliche Wesen und Dämonen, die ihr Un-Wesen treiben. Die ("bösen") Kräfte der Natur wurden einfach beseelt aufgefasst.

Ähnliche Dämonen übrigens, wie solche, die krank machten. smile

 

Im heutigen Sprachgebrauch - sofern das überhaupt jemand verwendet - meint man mit "Skylla und Charybdis" im metaphorischen Sinn die schmale Stelle, den schmalen Weg zwischen allerlei Gefahren und stürmische Untiefen durch die man durch muss, um ein kompliziertes Problem zu lösen.

 

Es ist schlimm, was viele Männchen im Zusammenhang mit Sexualität von sich geben und was sie unter erfüllter Sexualität verstehen. Und es ist schlimm für Weibchen, wenn sie an ein solches Exemplar geraten. Schlimm vor allem deshalb, weil die meisten Weibchen die Dimension ihrer eigenen Sexualität gar nicht kennen; die sich für sie nur durch ein einfühlsames Männchen eröffnet (siehe "101 x in einer Nacht ..."im Buch „nette Frauen tun es“). Eines Männchens, das weiß oder gelernt hat, dass der "Vollzug eines sogenannten Aktes" die weibliche Sexualität bestenfalls ein wenig anregt, aber beileibe nicht befriedigt. Dass eine "Liebesnacht" eine andere Dimension hat, als kurz vor dem Schlafen irgendwas irgendwo hineinzustecken und dann - aus männlicher Sicht befriedigt - wegzuschnarchen. mad

Dazu noch eine Episode aus der griechischen Mythologie. Einem griechischer "Seher" namens Teiresias wurde von den Göttern mehrfach übel mitgespielt. Unter anderen „musste“ er einen Teil seines Lebens als Mann und einen anderen als Frau verbringen. Deshalb wurde er bei einem Götterstreit über Sexualität hinzugezogen.
"Ist männliche oder weibliche Lust befriedigender?" So lautete die Frage und Teiresias sagte, nach seinen beidseitigen Erfahrungen nimmt die männliche Lust nur ein Zehntel ein, die weibliche hingegen 9/10.

 

Genau das entspricht meiner Erfahrung. Ein Männchen, das die Lust seines Weibchens in den Vordergrund stellt, darf lange auf den Wellen weiblicher Lust mitreisen; um der Dürftigkeit seiner eigenen sexuellen Lust-Möglichkeiten zu entfliegen. Wenn es seine eigene kurze Befriedigung zum "Höhepunkt der Sache" hochstilisiert, fragen sich viele Weibchen zurecht "war das alles?"

Liebe Grüße, Michael emoticones

Lieber Michael,

 

                 weil die meisten Weibchen die Dimension ihrer eigenen Sexualität gar nicht kennen ….

 

was doch bedeutet – sie können sie auch nicht anstreben oder als Bedürfnis erkennen. Wenn frau das nicht kennt, kann sie sich das kaum vorstellen. Darum kann sie es doch auch nicht "wollen". Woher sollte sie es denn wissen.

 

Ich las einmal Deine Worte "das Fest der Liebe feiern" (so in etwa) in einer Deiner früheren Mails. Da schrieben wir uns erst kurz und es war das erste Mal, dass ich davon in der wirklichen Realität las oder hörte. Das kannte ich so nur aus Liebesromanen (die ich irgendwann gar nicht mehr lesen mochte).

Diese Worte haben etwas in mir ganz tief berührt - und sie klingen für mich dennoch wie Worte aus einem schönen Märchen. Das Buch, das Du mir empfahlst – „nette Frauen tun es“ - hat mich stellenweise ähnlich tief "getroffen" und Gefühle hochgespült, von denen ich nicht wusste, dass ich sie in mir trage. Ich sollte es öfters lesen smile, um mir bewusst zu machen, oder bewusst zu bleiben, dass es diese Art von Sexualität auch wirklich gibt. Dass sie ganz real erlebbar ist!

 

Ganz viele liebe Grüße emoticones
Lotte

Liebe Lotte,

es ist klar, dass frau etwas, das sie nicht kennt, auch nicht wollen kann.
Es gibt aber ein Ahnen, ein Spüren, ein Fühlen, dass da mehr ist, als frau aus eigener Erkenntnis weiß. Unzählbar viele Bücher erzählen davon – in Romanen genauso wie in systematischer Sachbuch-Form.
Nachdem es vermutlich nichts nützt, wenn ich ein weiteres dazu schreibe, halte ich es nach wie vor für sinnvoll, wenn Du einfach fragst, wenn Dir etwas nicht nachvollziehbar, unwahrscheinlich oder unverständlich erscheint. Denn inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es da etwas gibt, das Du (und viele andere Frauen) nicht kennengelernt haben.
Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen etwas vom "Fest der Liebe" zu schreiben, das natürlich nicht in erster Linie ein körperliches Phänomen ist, sondern ein Verschmelzen von Geist, Seelen und Körpern.

Liebe Grüße, Michael emoticones

Dies war der aktuelle Stand unseres Gespräches.

Nachdenklich und kein bisschen müder als zuvor legte ich mich in mein Bett, löschte das Licht und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

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