Na, also eins ist klar: Ein Angsthase bist Du nicht, liebe Lotte! biggrin

Nur als Anmerkung: Deine Reaktion, Gefühlsprobleme möglichst umgehend anzupacken, ist weiblich; daran möglichst nicht zu rühren, ist männlich. smile

Dein Mann reagierte wie ein Schulbeispiel aus einem Psychobuch: „Problem erkannt, wo ist die Lösung!“

Ich weiß das deshalb so genau, weil das auch meine Reaktion wäre, wenn mich nicht kluge Frauen darüber aufgeklärt hätten, dass sie zuerst einmal nur darüber reden wollen – ohne gleich eine Lösungsliste abzuarbeiten.
Nachdem Du von ihm als krank oder zumindest "anders" eingestuft wirst, liegt es nahe, das medizinische Repertoire auszupacken. Denn gestern hatte Dein Mann das „Gefühl“ wink, dass er sich verteidigen müsste, weil Du ja einen Mangel beklagtest. Er wird sich trotzdem damit weiter beschäftigen (ohne es zuzugeben). Auch wenn er es nicht ganz versteht. Ob er so „cool“ ist, wie er tut, weiß ich nicht; jedenfalls will er dafür gehalten werden.

Um das männliche „Lösenwollen“ aufzugreifen, wäre es denkbar, dass Du von ihm „forderst“, er solle wenigstens einmal am Tag etwas „Liebes“ für Dich tun.
Trotzdem musst Du der Erkenntnis Raum geben, dass Dein Mann, gemessen an Deinen weiblichen Gefühlswünschen, ein Dir wenig angemessener Mensch ist. Aber das weißt (fühlst) Du ja schon lange – sonst wärest Du nicht krank geworden. Da er auch seine Vorteile haben wird, könntest Du mal Positives und Negatives gegeneinanderstellen, um eine Relation herzustellen. Ich glaube allerdings, dass Du Deine (berechtigten) Gefühlsbedürfnisse eher mit anderen Menschen wirst teilen müssen.

 

Liebe Grüße, Michael emoticones

Lieber Michael,

ich soll von ihm fordern, dass er einmal am Tag etwas Liebes für mich tut?

Niemals, niemals werde ich (etwas) Liebe(s) einfordern!

Vielleicht bin ich auch ungerecht. Er tut, was er kann, erträgt meine inzwischen schon ziemlich lang andauernde "Krankheit", obwohl es ihm inzwischen auch oft zu viel sein wird, ständig Rücksicht nehmen zu müssen. Er sagt, wenn es mir schlecht geht, tut ihm das mehr weh, als wenn es ihm nicht gut geht.

Michael, hat er recht und ich sehe meinen Egoismus nur nicht?

Ich bin sauer auf mich. Hatte ich mir wirklich gedacht, ich rede mit ihm darüber und alles wird gut? Das funktioniert bei uns beiden nicht.

Er gibt sich auf seine Weise Mühe - nicht das erste Mal - und ich nehme mich wieder zurück; es beginnt schon wieder zu laufen wie auch sonst immer.

Nur glaube ich nicht, dass ich diesmal alles wieder in mich zurücknehmen kann. Es liegt schon so weit offen – aber ich habe auch Angst, es nicht zurückzunehmen. Ich habe Angst vor den Konsequenzen.

Und ich weiß nicht, was richtig ist. Vielleicht hat er recht, vielleicht ist bei mir einfach irgendwas nicht normal und ich will es nur nicht wahrhaben.

 

Ob krank oder nicht - das Problem liegt in mir, darum werde ich es auch für mich lösen müssen. Wenn ich wieder klar denken kann, werde ich weitersehen.

 

Wenn Du magst und Zeit hast, würde ich mich freuen, wenn Du mir ein paar Buchtitel aufschreiben könntest, in denen es um das Thema „Animus“ und “Anima“ geht. Damit würde ich mich gerne näher beschäftigen.

Liebe Grüße, Lotte

Liebe Lotte, das Wichtigste vorweg:

 

Und ich weiß nicht was richtig ist. Vielleicht hat er recht, vielleicht ist bei mir einfach irgendwas nicht normal und ich will es nur nicht wahrhaben. 

 

Ich glaube nicht, dass Du solchen Unsinn glaubst!

Du bist völlig normal – abgesehen davon, dass Du weiblich bist biggrin biggrin.  Ich hoffe, diese Ironie ist verständlich.                                                                                                                                                                                                                                                                                                               

 

               Er sagt, wenn es mir schlecht geht, tut ihm das mehr weh, als wenn es ihm nicht gut geht.

               Michael, hat er recht und ich sehe meinen Egoismus nur nicht?

 

In gewisser Weise glaube ich ihm das sogar. Er ist eben einfach (nur) ein Mann! Von Frauen hat er keine Ahnung. Natürlich bist Du nicht egoistisch, wenn Du geliebt werden möchtest! Du brauchst auch keine Pillen und keinen Psychiater, Du bräuchtest - wie viele "kranke" Frauen - einen liebevollen Mann.

Nicht das Problem liegt in Dir, sondern eine mögliche Lösung! Aber eine gewisse Ruhepause wäre jetzt sicher nicht schlecht.

Wenn Du von Deinem Mann nichts „einfordern“ willst (Frauen besitzen dazu im Allgemeinen eine gewisse Raffinesse), dann ist die Chance gering, dass er sein Verhalten ändert. Männer müssen häufig darauf hingewiesen werden.


Sich mit Animus und Anima zu beschäftigen kann erhellend sein. Jeder Mensch trägt eine gewisse Mischung in sich. Wenn ein Mann mit geringen Anima-Anteilen auf eine Frau mit geringen Animus-Anteilen trifft, ist das gegenseitige Verständnis besonders schwer.

Ich habe C.G. Jung gelesen, der der Schöpfer dieser Begriffe war; ist aber ein wenig mühsam. Besser liest sich das Buch seiner Frau Emma Jung: “Animus und Anima”.


Liebe Grüße, Michael emoticones

 

Lieber Michael,


bei uns liegt heute herrlicher Pulverschnee. Es schneit und stürmt, und ich war lange draußen zum Auslüften. Nun kann ich wieder besser denken. smile smile

 

Ich lasse mich oft von meinen Gefühlen (ver)leiten, unüberlegte Dinge zu tun. Das kostet mich jedes Mal Kraft, weil das Ergebnis oft nicht so toll ist und ich mich danach wieder von Boden aufsammeln muss. Ich hoffe, ich lerne es noch, mehr meinen Verstand mit einzubeziehen.


Ich spüre, dass es tatsächlich in meinem Mann weiterarbeitet. Ich sehe es an vielen Kleinigkeiten in seinem Verhalten. Es ist eine größere Aufmerksamkeit da. Ich glaube, er weiß überhaupt nicht, was ich von ihm will und auch nicht, wie er sich "richtig" verhalten soll.


Eines ist klar für mich: Liebe einfordern - das kann, will und werde ich nicht!
Trotzdem möchte ich natürlich versuchen die Beziehung zu verbessern. Jetzt haben wir die Chance und die sollten wir schon nutzen. Raffinesse fehlt mir leider ungefähr so sehr wie der Sinn für Ironie. Aber es wird auch ohne gehen; dieses Mal weder unüberlegt noch überstürzt, sondern mit Sinn und Verstand.

Wenn eine mögliche Lösung in mir liegt, dann möchte ich sie finden.

Übrigens habe ich mir das Buch bestellt.

 

Einen lieben Gruß von mir  smile

Liebe Lotte,

ich kenne die Männer! Sie sind manchmal recht dumpfe Gesellen. Haben sie irgendwann eine interessante Aufgabe im Beruf gefunden und sind „wichtig“ geworden, wird die Frau zu Hause zur „Nebensache“. Weil er im Beruf dann oft recht hat oder bekommt, ist er überzeugt, auch zu Hause immer recht zu haben. smile
Wenn eine Frau sich dann nicht bemerkbar macht, dann merkt er sie auch kaum; höchstens, wenn sie „aufbegehrt“! Dann merkt er schon, dass ihm etwas abgehen würde, wenn sie nicht mehr da wäre.

Verzeih mir den leichten Sarkasmus, aber ich übertreibe eigentlich nicht. In diese Phase hast Du nun Deinen Mann gebracht! biggrin

Freue Dich über seine Aufmerksamkeiten und „fordere“ subtil neue ein.

Dir wird schon etwas einfallen.

Er ist ein Mann, er kann nicht fühlen wie Du.

Außer, es gelingt Dir, seine „Anima“ zu wecken.

Und Dir würde ein Schuss „Animus“ auch nicht schaden.

„Den Verstand mit einzubeziehen“, hast Du es genannt. biggrin

 

Liebe Grüße, Michael emoticones

Begleitend zu den Ereignissen der letzten Tage, gab es wieder eine Verschlechterung meines körperlichen Zustandes. Natürlich schrieb ich Michael davon, und so drehte sich unser Austausch einige Tage einzig darum, wie ich diesen Rückfall mit leichten Lebensmitteln wieder auffangen könnte. Mir war damals nicht bewusst, dass diese Tage auch eine kleine Verschnaufpause für mich darstellten. Die Mails über meine Ehe, das Gespräch mit meinem Mann - all das hatte vieles in mir in Bewegung gebracht, das wohl erst einmal verdaut werden musste, bevor es weiter gehen konnte. Dass und wie es dann allerdings weiter ging, kam völlig überraschend für mich.

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