Ja. Damit sich Träume und Wünsche erfüllen können, muss man daran arbeiten, um nach dort hin zu wachsen. Sonst machen sie, falls sie sich erfüllen, mehr Angst als Freude.

Ich möchte Dich gerne etwas fragen, lieber Michael.

Gibt es immer diese Gegengefühle, bleibt einem das auch dann erhalten, wenn man seine Mitte gefunden hat und "leichter" lebt? Ist immer gleichzeitig beides da, "Chance und Gefahr", Glück und Leid, Freiheit und Unsicherheit...?

Und sind Beziehungen zu anderen Menschen, wirklich gefühlsmäßig enge Beziehungen, immer auch ein bisschen mit einem Gefühl von Abhängigkeit verbunden? Gibt es das eine nicht ohne das andere? Oder kann man sich innerlich ganz frei fühlen und trotzdem zu einem (oder mehreren) Menschen eine wirklich tiefe Gefühlsbindung haben?


Wenn beide ganz in ihrer Mitte sind, gibt es für sie dann ein "Lieben" ganz ohne "Brauchen"? Ein ganz leichtes, freies und unbeschwertes (unbelastendes) Lieben?

Muss „ungebunden“ immer auch "alleine" bedeuten, oder kann es eine freie und ungebundene Seelenbeziehung geben? Wenigstens annähernd?

 

Viele liebe Grüße emoticones
Lotte

Liebe Lotte,

kann man nicht einfach ruhig, zufrieden und glücklich sein – bis ans Ende seiner Tage?  biggrin smile
Nein, kann man nicht!
Oder sagen wir so: Es ist nur schwer vorstellbar. Vielleicht können es Heilige (Mutter Teresa konnte es nicht) oder außergewöhnliche Philosophen. Über Diogenes gibt es die Erzählung, dass ihn einst Alexander der Große besuchte und fragte, ob er etwas für ihn tun könne; worauf Diogenes geantwortet haben soll: „Geh mir aus der Sonne.“ smile
Es war aber ein langer Weg, bis Diogenes mit seiner Tonne und der Sonne zufrieden gewesen sein soll und ob die Geschichte stimmt, weiß kein Mensch.
Wenn man gerade eine große und schwere Aufgabe gut erledigt oder eine viel versprechende Beziehung begonnen hat, dann funktioniert das Gefühl von Zufriedenheit eine gewisse Zeit. Aber bald mischen sich andere Belange des Lebens in diese Glücksphase hinein, die eben nicht so gut erledigt sind.
Sicher ist es auch eine Sache der Mentalität. Sehr bescheidene oder sehr weise Menschen sind vielleicht mit ihrer schlichten Existenz zufrieden. Ich habe aber keine(n) je kennengelernt.

Ich bin mit mir - beispielsweise - nicht unzufrieden, aber das Auf und Ab von Gefühl und Gegengefühl ist mir wohlvertraut.
Und selbst in sehr guten Beziehungen mit lustvollen Liebesnächten kann es aus den unterschiedlichsten Gründen zum Grummeln kommen (sonst gäbe es ja nicht mehrere davon augenroll). Eine allzu große Abhängigkeit wäre einer von vielen.
Wir müssen wohl immer wieder zwischen Skylla und Charybdis durch. smile

Liebe Grüße, Michael emoticones

Lieber Michael,

 

kann man nicht einfach ruhig, zufrieden und glücklich sein – bis ans Ende seiner Tage? biggrin  smile

Nein, kann man nicht!

 

Nein, kann man nicht. smile

So hätte ich Dich das nie ernsthaft gefragt smile, weil es auch mir klar ist, dass das nicht geht. Dass aber genau das hinter all meinen Fragen steckte, sehe ich jetzt auch. augenroll 

Diogenes in seiner Tonne smile  … ich weiß nicht ob ihm das wirklich genügte, aber solange er damit ganz und gar zufrieden ist, bleibt er doch auch dort drin.
Ich weiß auch nicht ob ich wirklich "zufrieden" sein möchte, jetzt und so auf keinen Fall - weil ich denke, dass ein rundum zufriedener Mensch nichts in und an seinem Leben verändern möchte oder wird. Aber klar, wenn man zufrieden ist, braucht man das ja auch nicht.  biggrin augenroll


Kann man Veränderungen auch dann willkommen heißen, wenn man rundum zufrieden ist? Für Dich sind ja Veränderungen das Salz in der Suppe des Lebens - kannst und willst Du bei Dir oder in Deinem Leben etwas verändern, auch dann, wenn Du damit zufrieden bist?

Ruhig sein - das ist auch nicht unbedingt das, was ich als erstrebenwert empfinde. „Ruhig“ ist auf Dauer nicht sehr lebendig. Wenn ich manchmal (in letzter Zeit) das Gefühl habe, vor Freude tanzen und hüpfen zu können, dann ist in mir alles andere als Ruhe. Da ist ein Kribbeln und Vibrieren, ist „Aufbruchstimmung“, will ich los... - da ist mir wirklich nicht nach „ruhig sein“.   

„…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“

Das ist so schön! Das ganze Gedicht ist es, besonders aber diese Stelle. Aber eben – dies gilt für einen Anfang. Dazwischen ist kein Zauber. Das unterscheidet wohl auch (meine) Träume von einer tatsächlichen Realität; sie sind einfach nur Momentaufnahmen (eines Anfangszaubers).

Gestern spürte ich stark, wie "sicher" ich mich hier fühle. Und erst da bemerkte ich, wie sehr unsicher ich mich "draußen" (noch) fühle; das ist eine beinahe permanente Anspannung im Hintergrund. Diese Sicherheit ist immer noch sehr wichtig für mich. Dass ich sie habe und auch dass mein Mann sehr dazu beiträgt, ist mir sehr wohl bewusst. Ich schätze es und es ist ein gutes Gefühl.
Aber ebenso klar ist mir nun, dass ich hier nicht bleiben will. Dies hier ist nicht mehr das Leben, das ich möchte.


Ich habe also zwei Möglichkeiten: Mir entweder neue Sicherheit "außen" zu bauen oder zu suchen, oder zu versuchen dieses gute Gefühl der "Sicherheit" in mir selbst zu finden und zu verankern, wo auch immer ich bin.
Ich ziehe Nummer zwei vor. Ich will nicht von einer Burg in die nächste wechseln. Auch glaube ich, dass Frei-Sein nur auf diese Weise funktionieren kann und dass ich das, was ich leben will, nur so erreichen werde.

 Ich bin mir nicht sicher, ob ich es schaffe, aber versuchen werde ich es.

 

Hab einen schönen Tag emoticones

Lotte

Liebe Lotte,

in sich einigermaßen zu ruhen, wäre ein sehr wichtiges Ziel.
Und gar nicht so einfach zu erreichen. Durch meine häufigen Umzüge merkte ich das immer wieder. Wenn andere erzählten, dass ihnen ihr Heim, ihr Partner, ihre Stadt, ihre Freunde Sicherheit geben, ließ ich oft alles hinter mir und fing neu an. Da ist es schon sehr gut, wenn man in sich ruht.
Die meisten Veränderungen habe ich mir aber gar nicht des Veränderns wegen angelacht; sie kamen auf mich zu. Aber eine heimliche Lust des neuen empfand ich am Rande immer mit dabei.
Ich glaube aber, dass sich Weibchen damit viel schwerer tun.

Ein Test für Dich wäre, wenn Du Dir den Reichenau-Insel-Urlaub ohne die Nabelschnur zu mir vorstelltest smile und dann Deine Gefühle über Freiheit auf den Prüfstand stelltest. Ich glaube, dass Du von einem Ruhen in Dir noch ein gutes Stück entfernt bist.


Müßig zu erwähnen, dass es (wieder einmal) die meisten Menschen kaum schaffen. Und wenn sie wechseln, dann brauchen sie ganz schnell neue Sicherheiten. In Form von neuen Partnern, neuen Freunden und so weiter.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, das brauche ich auch, aber ich kann ziemlich lange äußere Unsicherheiten durch innere Sicherheit kompensieren

Liebe Grüße, Michael emoticones

« zurück        Seite 67       nächste Seite »

lotte-aus-der-asche [-cartcount]