Lieber Michael,
dieser Traum muss eine schlimme Bedeutung haben. Ich habe große Angst, kann mich auf nichts konzentrieren, mich mit nichts ablenken, alles tut weh - selbst das Atmen.
Was kann solche Schmerzen und Ängste auslösen, nach so langer Zeit?
Wie bekomme ich das wieder weg?

Liebe Lotte,


ich gebe mir große Mühe, Dir bei der Lösung des Rätsels zu helfen, leider bin ich weder Zauberer noch Wunderheiler smile.


Natürlich weiß ich nicht, wie tief oder gar existentiell Dich solche Grübeleien belasten und wie weit Du Dich in der Lage fühlst, hier überhaupt weiter darüber reden zu wollen.

Der heutige Traum sagt natürlich, dass durch unsere Gespräche etwas bei Dir berührt worden ist, das in einem Zusammenhang dazu steht. Vielleicht aber treten wir zu viel los, als Du zurzeit bewältigen kannst.

Es ist wirklich nötig, dass Du dazu etwas sagst.

Liebe, aber auch nachdenkliche Grüße von Michael emoticones

 

Inzwischen war es später Abend und ich schrieb die letzte Mail dieses für mich so schmerzhaften Tages. Ich war tief erschüttert. Ja, es fühlte sich existentiell an. Aber wieder einmal, wie schon öfter in letzter Zeit und seit ich mit Michael zu schreiben begonnen hatte, spürte ich unterhalb von Angst und Schmerz, wie wichtig und „gut“ es war, darüber zu schreiben. Etwas drängte nach außen. Ich ließ es zu und mich hineinfallen.

Lieber Michael,
ich weiß es nicht. Eines aber weiß ich: Zurück kann ich jetzt nicht.

Ich muss darüber reden. Von wollen kann keine Rede sein. Und ich kann das aushalten.

Nur wenige Stunden später, nach etwas Schlaf, schrieb ich Michael noch einmal. Seine Sorge hatte ich sehr wohl mitbekommen und es war mir wichtig, ihm möglichst gleich bei seinem ersten Blick in den PC „Entwarnung“ zu geben.

Lieber Michael,

bin ich froh, dass dieser gestrige Tag vorbei ist! Die Nacht heute war viel besser – denn der Traum kam nicht wieder. Davor hatte ich echt Bammel.
Du brauchst Dir um mich keine Gedanken zu machen; ich bin viel zäher als ich zugebe. biggrin

Ich habe mir weiter Gedanken gemacht, finde aber in diesem Zeitrahmen noch immer nichts Außergewöhnliches.
Dafür sind mir einige Eckdaten eingefallen, was meine körperlichen Probleme und auch meine Angst- und Panikattacken betrifft.

Meine erste Panikattacke, gefolgt von diffusen Angstgefühlen, hatte ich mit 21 - während ich mit meinem Sohn schwanger war. Ich dachte zuerst, es sei wegen der Hormonumstellung. Aber die Ängste blieben mir erhalten und waren auch ziemlich stark. Mit 28 versuchte ich mich an intensivem Autogenen Training, das allerdings alles nur noch schlimmer zu machen schien. Je tiefer die Entspannung, desto stärker wurden die Angstgefühle. Kurz danach, ich war 29, hatte ich meinen ersten körperlichen Zusammenbruch, verlor dabei 10 Kilo Gewicht und bekam Psychopharmaka.
Die nahm ich ein halbes Jahr und warf sie danach in die Ecke. Sie halfen nicht, machten nur noch zusätzliche Probleme.
Mit der Zeit häuften sich meine Magen-Darm-Probleme, dafür wurden die Panikattacken etwas weniger. Die Ängste allerdings blieben unverändert.
Mit 35 Jahren hatte ich dann meinen zweiten Zusammenbruch. Da wurden auch zum ersten Mal sämtliche Untersuchungen von einem Facharzt gemacht. Diagnose: Reizdarmsyndrom. biggrin

Wieder 10 Kilo weniger - und ich vertrug keine Lactose und kein Gluten mehr. Es häuften sich nach und nach die Unverträglichkeiten, ich musste immer vorsichtiger essen, vertrug immer weniger.
Der Rest ist Dir ja bekannt. smile

Ich will diesen Traum nicht auf sich beruhen lassen. Er hat mich wirklich geschockt. Ich denke, ich muss herausfinden was dahintersteckt, sonst kommt er wohl irgendwann wieder.


Hab einen schönen Tag emoticones
Lotte

 

Liebe Lotte,

ich bin froh, dass Du gut durch die Nacht gekommen bist - obwohl ich irgendwie weiß, dass Du zäh bist! smile

Was Du geschrieben hast, bestärkt die Vermutung, dass Du einen oder mehrere "Brocken" in der Vergangenheit geschluckt hast (schlucken musstest), die Du noch nicht "verdaut" hast (Dahlke).
Deshalb die immer wiederkehrenden Beschwerden im Bauch, Gewichtsverluste und Zusammenbrüche. Und im Schlaf erinnert Dich noch ein Traum in seiner Bildsprache daran.
Nun kann ich nicht in alle Winkel Deiner Seele schauen; so viele Einblicke Du mir auch schon gegeben hast! smile Beim Aufspüren kann ich also nur die Rolle des Stichwortgebers spielen.

Frauen sind anders  biggrin (anders als Männer natürlich; wobei die Welt aber mehr männlich als weiblich geprägt ist).
Und Du bist eine sehr weibliche Frau. Die zentralen weiblichen Probleme liegen bei der Thematik Liebe, Beziehung, Sexualität, Kinder.
Eine Frau, die sich nicht ausreichend geliebt fühlt, aber trotzdem immer zu körperlicher Nähe gedrängt wird, ist ein Konflikt-Beispiel in diesem Zusammenhang.

 

Liebe Grüße, Michael emoticones

Meine Antwort folgte am frühen Nachmittag. Der Damm war gebrochen.

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