Liebe Lotte,

weil es auffällig war, was Du schriebst, fiel es mir auch auf . biggrin
Mir erschien Deine „Botschaft“ eindeutig, ich wusste aber gleichzeitig, dass Ironie nicht gerade zu Deinen starken Seiten zählt (mit der man übrigens viele Spannungen entspannen kann). Ja, das sieht nach „blindem Fleck“ aus.


Dein Mann hat nicht viel Ahnung von Deiner Welt. Wie schon einmal erwähnt: Er ist männlich – in jeder Hinsicht. Bakterien müssen bekämpft werden, und für weibliche Unausgeglichenheit gibt es die chemischen Korsetts der Medizin.
Nun bist Du eine besonders weibliche, sensible Frau, und das Unverständnis Deines Mannes tut Dir weh. Ja, das ist zum Heulen!
Nachdem Du Dir das noch nicht einzugestehen wagtest, half der Traum nach, um endlich mal Wut und Ärger ihm gegenüber empfinden zu dürfen.

Liebe Grüße, Michael emoticones

Mir erschien Deine „Botschaft“ eindeutig

 

Lieber Michael, dann wusstest du mehr als ich.

Meine Wut ist weg. Dafür bin ich jetzt sprachlos, traurig und total angespannt – fühle mich hilflos und weiß nicht, warum.
Lotte

Liebe Lotte,

ich habe Dir meine Deutung geschrieben, die ich für recht wahrscheinlich hielt; das heißt aber nicht, dass sie stimmen muss.

Worüber bist Du traurig?


Liebe Grüße, Michael

Lieber Michael,

nachdem ich nun eine Mail schrieb, sie löschte, mit der nächsten ebenso verfuhr - kommt hier nun mein dritter Versuch.

Ja, Du hast recht mit deiner Deutung. Und Du hast auch recht mit dem was Du über meinen Mann geschrieben hast. Er hat keine Ahnung von meiner Welt.
Aber das habe ich akzeptiert. Darüber muss ich weder traurig noch wütend sein. Es ist auch nicht einfach, sich in meine Welt zu begeben. Er kann es nicht und ich darf es nicht von ihm erwarten.

 

Ich wünsche Dir von Herzen einen wunderschönen Abend emoticones
Lotte

Liebe Lotte,

Es tut mir leid, dass unsere Gespräche so viel aufwühlen. Aber es geht wohl nicht anders. Erinnere Dich an Dahlke: Dein Körper drückt manchen tiefen Schmerz von Dir aus.

 

               Er hat keine Ahnung von meiner Welt. Aber das habe ich akzeptiert. Darüber muss ich  

               weder traurig noch wütend sein. Es ist auch nicht so einfach, sich in meine Welt zu

               begeben. Er kann es nicht, und ich darf es nicht von ihm erwarten.

 

Doch Lotte, Du hast ein Recht darauf, traurig und wütend zu sein. Und bist Du es nicht direkt, kommt es "verkleidet" daher, als Traum und in Form körperlicher Schmerzen. Wenn Du immer davon ausgehst, dass Du von anderen nichts zu erwarten hast, dann kannst Du auch nichts bekommen! Ich glaube, Du wirst wünschen lernen müssen. Wunsch nach Verständnis zum Beispiel. Das kann natürlich nur in einem ehrlichen Gespräch stattfinden. Im Moment bist Du wahrscheinlich noch zu schwach dazu. Aber wenn Du Dich wieder stärker fühlst, könntest Du zu erklären beginnen, warum Du solche Schmerzen hattest.

Liebe Grüße, Michael emoticones

Lieber Michael,

ich habe einen Menschen geheiratet, der riesige Schwierigkeiten damit hat Gefühle zu zeigen. Er kann mit meinen "Gefühlsausbrüchen" überhaupt nicht umgehen (und er kennt eigentlich keine richtigen Gefühlsausbrüche von mir; lediglich eine sehr abgeschwächte Version davon).
Passiert es mir, dass ich in seiner Gegenwart in Tränen ausbreche, steht er da, sagt kein Wort und ist wie versteinert. Total verunsichert schaut er mich noch Stunden danach von der Seite an. Ich weine schon lange nicht mehr in seiner Gegenwart; es hat uns beiden nie gutgetan.


Er tut vieles - solange es sich um Dinge handelt, die man eben "tun" kann.
Er hatte mir früher schon einmal erklärt, dass meine Vorstellung von einer Beziehung eine Wunschvorstellung wäre, die es nur in Liebesromanen gäbe. Ich glaube, er hat recht. Diese Sehnsucht in mir nach etwas, das ich gar nicht benennen kann, ist wohl in einer normalen Beziehung nicht zu stillen. Es ist nicht fair von mir, das von ihm zu erwarten.

 

Ich weiß nicht, was mir fehlt; ich kann es weder in Worte fassen, noch auf irgendeine Art konkret machen. Ich fühle es nur.

Das ist aber zu wenig, um es zu erklären und eine schlechte Basis für ein offenes Gespräch.

Liebe Grüße, Lotte

Liebe Lotte,

nicht als Antwort, sondern als Gute-Nacht-Gruß, ein Haiku für Dich:


Lieben ist wie ein
Engel zu fühlen, ohne
fliegen zu können!

Es stimmt schon; Männer können meist nur "tun"; Rasenmähen als Liebeserklärung smile.

Frauen können dabei leicht verhungern.

Liebe Grüße, Michael emoticones

 

PS: Mehr schreiben kann ich erst wieder morgen!

Da schickte ich Michael nun Tag für Tag Mails, die vor Problemen und Schwere nur so trieften und er schrieb ein solches Haiku - für mich! In mir begannen sich Gefühle zu regen; schmerzhaft und schön. Einmal mehr heulte ich mich in den Schlaf. 

Liebe Lotte,

ich habe inzwischen ja schon einiges zu Männern und Frauen gesagt. Nun ist wieder ein Anlass dazu. Die meisten Männer tun sich schwer, Gefühle zu zeigen; insofern ist der „Deine“ so wie viele andere Männer. Männer müssen in erster Linie „tun“, handeln und dabei „cool“ bleiben. Das ist übrigens nicht nur Erziehung, das steckt tiefer drinnen.
Frauen sind nicht so. Sie stecken voller Emotionen und Gefühle – so wie Du!
Der Umgang der Geschlechter sollte dazu führen, dass Frauen vom männlichen Teil der Seele („Animus“ nach C.G. Jung) lernen und Männer vom weiblichen Teil („Anima“).
Leider gelingt das nicht allzu oft, und die Geschlechter stehen sich mit Unverständnis gegenüber.

Wenn Du weintest, machtest Du Deinen Mann hilflos. Ein Gefühl, dass er nur schwer ertragen kann und auf das er keine Antwort weiß. Deine Antwort, nicht mehr vor ihm zu weinen, ist eine verständliche, aber oberflächliche Reaktion. Denn tief im Inneren willst Du natürlich weinen – so wie zuletzt.
Dass es Liebe nur in Liebesromanen gibt, ist Unsinn.

Was Dir fehlt, weiß ich wohl und Du weißt (fühlst!) es auch. Wahrscheinlich kannst Du es zurzeit noch nicht in Worte fassen. Aber wenn Du Dich damit mehr beschäftigst, könnte Dir das später schon gelingen.

Liebe Grüße, Michael emoticones

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