Gut, ich werde sie weglassen. Damit wollte ich meinem Körper etwas Gutes tun! Es ist nicht zu fassen, was für eine Mimose ich bin. scham

Liebe Lotte,


bedenke einfach, wie lange Du schon diese Probleme hast. Deine Gesundheit ist leider angegriffen. Das solltest Du bei jedem Bissen, bei jedem „Medikament“ bedenken. Aus meiner Sicht sind sogar bestimmte Tees Medikamente. (Tausendguldenkraut zum Beispiel).

Schimpf Dich nicht eine Mimose. Im Moment hast Du allen Grund, eine solche zu sein. Sie ist eine schöne Pflanze mit zarten Blüten smile. Ich weiß ja, dass Dir Dein Zustand lästig ist und Du ihn lieber heute als morgen beenden würdest. Aber Du wirst Geduld und Disziplin aufbringen müssen; Experimente verschiebe auf später!

 

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Körperliche Rückschläge gab es immer wieder. Zuerst schrieb ich Michael stets sofort davon. Ich benötigte seine Hilfe, seinen klaren Blick und empfand es als äußerst beruhigend, ihn an meiner Seite zu wissen. Nach und nach gelang es mir aber, allein damit umzugehen. Ich entdeckte, wie sehr fein das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele ist, wie schnell es gestört wird, wenn ich nicht behutsam und aufmerksam mit mir bin, und vor allem lernte ich, der unglaublich großen Selbstheilungskraft meines Körpers zu vertrauen. Denn ich konnte ihn bei seiner Arbeit beobachten.

 

Hier werde ich nicht alle Gespräche wiedergeben, die ich mit Michael deswegen führte, denn im Grunde ähneln sie sich sehr. Doch finde ich es wichtig zu erwähnen, dass es diese Einbrüche gab. Mit fortlaufender Zeit zeigten sie sich zwar milder und weniger heftig, aber eine gewisse Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen waren nötig, um diesen Weg der Selbstheilung erfolgreich zu gehen. Hartnäckigkeit und Vertrauen darauf, dass es möglich ist. 

 

Immer gewichtiger wurden für mich die nicht-körperlichen Themen. Seit gut zwanzig Tagen führten Michael und ich nun diese Gespräche, und vom ersten Tag an waren seine Worte Balsam für meine Seele. Ich fühlte mich verstanden wie noch nie zuvor in meinem Leben und begann, mich auf Michaels Mails zu freuen. Auch spürte ich deutlich, dass dies eine einmalige Chance für mich war. Ich hatte nicht den leisesten Schimmer wohin mich das führen würde, doch tief in mir „wusste“ ich, dass ich mich öffnen wollte, ja - öffnen musste! Dies spürte ich mit jeder Faser meines Seins und so begann ich mich vollständig auf unseren Austausch auszurichten.

Lieber Michael,

 

heute möchte ich ein völlig anderes Thema ansprechen. Deine Meinung dazu interessiert mich sehr.
Ich habe bestimmte Ansichten darüber, was ich für gut und richtig halte. Mit der Zeit wirkten sich diese Ansichten und Überzeugungen natürlich auch in meinem Verhalten aus.  Ich begann, mich zu "erziehen".
Diese An- und Einsichten sind zum großen Teil eine Kopfsache. Der Verstand war es, der das eingesehen hat. Was nicht so schnell mitzieht, sind meine alten Muster, Gewohnheiten, angewöhnte Bedürfnisse, kurz: Das Herz/Gemüt. Da ist also eine Spannung; mal stärker, mal weniger stark.

 

Hältst Du es für möglich, dass die "Selbsterziehung" diesen "Zusammenbruch" mit gefördert haben könnte? Obwohl ich dies ja nicht aus Zwang (von außen) mache, sondern, weil ich total davon überzeugt bin, dass es wichtig, richtig, gut und auf Dauer für alle nur heilsam ist? Habe ich mich überhaupt klar verständlich ausgedrückt?

Liebe Grüße, Lotte

Liebe Lotte,

das ist alles klar und verständlich! smile
Jeder Mensch „erzieht“ sich in irgendeiner Weise. Die Frage ist - nach welchem Muster?

Der eigenen elterlichen Erziehung?

Oder - so werden wollen wie ein bestimmtes Vorbild? Wobei ein solches von „erfolgreichen“ Models bis zu Mutter Theresa reichen kann.

Nach religiösen Maßstäben?
Und ich könnte jetzt noch viele weitere aufzählen.

Wie ist aber nun der einzelne Mensch beschaffen?
Die Menschen sind ja bekanntlich nicht gleich. So passt vielleicht ein „Erziehungsziel“ für den einen, aber nicht für den anderen. Und zwischen weiblich und männlich gibt es nahezu diametral unterschiedliche Ziele. Das Herz-Verstand-Problem ist bei Frauen zum Beispiel deutlich ausgeprägter.

Und hier muss der theoretische Exkurs enden.

 In Deinem Fall geht es darum, zu überprüfen: Hast Du Dir die für Dich richtigen Erziehungsziele ausgesucht? Sonst kann es nicht funktionieren und Du hältst Dich in ständiger Spannung zwischen Zielen und Realität.

Wenn Du willst, können wir natürlich ganz konkret darüber reden.

 

Liebe Grüße, Michael emoticones

Lieber Michael,

einen wunderbaren Neujahrsmorgen wünsch ich Dir. emoticones

Deinen letzten Absatz verstehe ich nicht. Natürlich existiert eine ständige Spannung zwischen Ziel und Realität – ansonsten hätte ich ja meine Ziele schon erreicht! Ich sehe auf meine Ziele, sehe wo ich stehe - und nehme die große Kluft dazwischen wahr. Je genauer ich schaue, desto größer wird der Abstand. augenroll

 

Ich schreibe sie Dir hier einmal auf. Sie sind nichts Besonderes; man könnte sie als "Tugenden" umschreiben.

Ich möchte:

- allen Lebewesen verständnisvoll und liebevoll begegnen, sie bedingungslos     

  annehmen, keinem bewusst und absichtlich weh tun oder Schmerzen zufügen.

- immer offen und ehrlich sein, ohne Heimlichkeiten und Versteckspielereien.

- nichts einfordern oder erwarten

- nicht bewerten oder urteilen


Hierfür ist es als erstes notwendig, dass ich mir nicht nur meiner Handlungen voll bewusst bin, sondern mir auch meine Gedanken und Gefühle ständig bewusst mache. Das finde ich äußerst schwierig und es gelingt mir auch nicht besonders gut.

 

Das alles sind aber für mich keine "Handlungs-Gebote". Es geht darum, so im Inneren zu fühlen. Stell Dir einmal einen Menschen vor, der so ist! Also wirklich mit seinem ganzen Wesen! Wieviel Sicherheit, Geborgenheit, Liebe dieser Mensch schenkt und ausstrahlt, welchen Raum er damit schafft; wie sich die Menschen in seiner Nähe fühlen werden – und wie sich dieser Mensch selbst fühlt.

Grundlage für alles ist ein warmes, helles Gefühl dabei. Ohne das ist es, als würde der Kern fehlen. Doch genau dieses Gefühl ist mir in letzter Zeit irgendwie abhandengekommen. Ich weiß weder wann noch warum - und wundere mich wirklich darüber, was ich Dir alles schreibe.  biggrin 

Ein seltsames Gefühl ist es schon für mich, Dir all das so "hinzuwerfen". 

 

emoticones Hab einen schönen Tag, Lotte

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